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Neue Westfälische vom 03./04.07.2010

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Unterwegs in Altenbeken

Die goldene Brücke


Wie die Besucher der Eggegemeinde Eisenbahngeschichte erwandern und dabei in der Naturlandschaft schwelgen können.

VON SIMONE FLÖRKE

482 Meter lang, 35 Meter hoch und 24 Bögen: Der große Viadukt durch das Tal der Beke ist das Wahrzeichen der Gemeinde Altenbeken. Auch im Wappen der Kommune ist er verewigt. Im Juli 1853 wurde die größte Kalksandsteinbrücke Europas eingeweiht, im November 1944 und nochmals im Februar 1945 von Bomben zerstört. 20 Monate später rollten wieder Züge über das gewaltige Bauwerk am Eisenbahnknotenpunkt, das besonders in den Abendstunden oft fotografiert wird. Dann wird der Viadukt angestrahlt und entfaltet als goldene Brücke einen ganz besonderen Zauber. Ein Lichtkunstwerk.

Eisenbahn und Wandern: Das sind die prägenden Elemente der rund 9.500 Einwohner zählenden Gemeinde, zu der die drei Orte Altenbeken, Buke und Schwaney gehören. Die Landschaft bietet viel Natur und 130 Kilometer ausgebaute Wanderwege. Altenbeken ist ein Wanderparadies im Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge, das Naturgenuss im wahrsten Sinne auf Schritt und Tritt bietet.

So wie auf dem Viadukt-Wanderweg: 29 Kilometer lang und 2009 mit dem selten vergebenen Siegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet, bietet er die Möglichkeit, rund um Altenbeken Eisenbahngeschichte zu erwandern. Ulrich Böger vom Eggegebirgsverein ist Wanderpate des Weges. Für ihn eine Herzensangelegenheit: Er ist begeistert, wenn er nach ihrer Tour Wandergruppen nachmittags bei der Einkehr wieder trifft, die er morgens am Ausgangspunkt des Wanderwegs verabschiedet hat. Und die sich bedanken. „Das macht mich stolz und glücklich.“

Genau wie Marketing-Chefin Marion Renner im Rathaus, die selbst von Einheimischen die Begeisterung hört, wenn diese wandernd die Heimat erkunden. „Es ist angekommen, darüber bin ich sehr froh.“ Der Wanderweg bietet fantastische Aussichtspunkte wie die Aussichtsplattform oberhalb von Altenbeken mit einem prächtigen Panorama-Blick auf den Viadukt. Wanderer sollten ihre Kamera mitbringen, um die in den Bahnhof einfahrenden Züge zu fotografieren – mit etwas Glück sogar eine Dampflok.

Die gibt es vor allem beim alle zwei Jahre stattfindenden Eisenbahn- und Kulturfest „Vivat Viadukt“ zu bestaunen. Im Sommer 2011 dampft es zum fünften Mal in der Egge. Viele Tausend Menschen pilgern dann in die Gemeinde, um das Eisenbahn-Flair vergangener Zeiten zu genießen. So mancher erfüllt sich einen Kindheitstraum, wenn er in den Führerstand einer Dampflok klettert.

Die Altenbekener sind stolz auf ihre Eisenbahngeschichte, die Mitte des 19. Jahrhunderts Fahrt aufnahm. Im Ortskern erinnert heute eine schwere Güterdampflok von 1941 an diese Blütezeit. 1977 wurde sie aufgestellt und ist heute passenderweise Ausgangspunkt des Viadukt-Wanderweges. Zu den Eisenbahnbauwerken um Altenbeken gehören auch der kleine Viadukt über die Dune sowie der 1.632 Meter lange Rehbergtunnel von 1864.

Vor der Eisenbahn war es die Eisengewinnung und -verarbeitung, die den Ort prägte. 1877 wurde der Erzabbau eingestellt. Letzte Zeugen der Handwerkskunst aus diesen Eisenhütten können Besucher im Eggemuseum nahe der alten Dampflok sehen: Kunstvoll verzierte Ofenplatten und Öfen.

© 2010 Neue Westfälische, Samstag 03. Juli 2010

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