|
Neue Westfälische vom 19.11.2011:

Original-Artikel
Download
Artikel (220 Kb)
Eine Gemeinde geht ihren Weg
Der Altenbekener Viadukt-Wanderweg füllt Pensionsbetten
und Gaststätten
Von
Per Lütje
Altenbeken (WV). Es klingt wie im Märchen: Der Viadukt-Wanderweg
hat die Gemeinde Altenbeken aus einem Dornröschenschlaf
geweckt. Aber anders als im Märchen ist diese Geschichte
wahr, denn der knapp 30 Kilometer lange Parcours beschert
Ferienwohnungen volle Betten, Gastronomen gute Geschäfte
und der Gemeinde bundesweit Beachtung.
In der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Tourismusausschusses
erntete die Verwaltung Lob von allen Seiten für ihr Engagement
rund um Altenbekens Aushängeschild. Gerade erst hat der
Viadukt-Wanderweg seinen Titel als Premium-Weg verteidigt
und darf nun drei weitere Jahre mit dem Qualitätssiegel
»Wanderbares Deutschland« werben. Und das scheint
sich in der Wanderszene herumzusprechen, wie Marketingchefin
Marion Renner konstatiert: »Der Radius vergrößert
sich rasant. Kamen die Besucher anfangs vornehmlich aus der
Region, kommen sie mittlerweile von weit her. Einen Schwerpunkt
bilden das Ruhrgebiet und die Niederlande.«
Die Rechnung der Gemeinde, sich auf einen Wanderweg zu konzentrieren,
scheint aufzugehen. Binnen zehn Jahren hat sich die Anzahl
der Ferienwohnungen von 10 auf mittlerweile 25 erhöht.
Einen Großteil der Besucher macht aber der Tagesgast
aus: »Er steuert rund zwei Drittel der Tourismuseinnahmen
bei«, sagt Renner. Jeder einzelne gibt im Durchschnitt
etwas mehr als 20 Euro aus. Das hat zumindest die OWL Marketing
errechnet. Wie viele Wanderer im Jahr den Viadukt-Weg unter
die Stiefel nehmen, das lässt sich derzeit nur schätzen.
Um verlässliche Zahlen zu erhalten, denkt die Marketingchefin
über eine Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn
nach.
Teuer dürfen Projekte rund um das Vorzeigeobjekt allerdings
nicht sein, das Jahresbudget beträgt 10 000 Euro. »Und
davon müssen wir alles bezahlen: Infrastruktur, Beschilderung,
Zäune und auch die Werbung«, zählt Marion
Renner auf. Dass es trotz dieses schmalen Budgets klappt,
in der höchsten Liga der Wanderwege mitzuspielen, sei
auch dem Engagement vieler Ehrenamtlicher zu verdanken - allen
voran dem Eggegebirgsverein.
Inzwischen ist man auch weit über die Grenzen des Kreises
Paderborn hinaus auf den Viadukt-Weg aufmerksam geworden.
Davon zeugen Veröffentlichungen in Zeitungen bundesweit
und Fachmagazinen. Der größte Erfolg bislang: Ein
dritter Platz beim europaweiten Wandermagazin-Award im vergangenen
Jahr. Ausruhen will man sich auf solchen Lorbeeren aber nicht,
betont die Marketingchefin: »Nichts wäre schlimmer
als Stillstand. Wir wollen diesen Weg konsequent weitergehen
und noch stärker auf die Kombination Naturerlebnis und
Eisenbahn setzen«, sagt Renner. Wie genau das aussehen
kann, lässt sie offen, zumal da auch die Politik ein
gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Doch die zeigt sich
beim Thema Viadukt-Wanderweg einig wie selten.
©
2011 Westfälisches Volksblatt, Samstag, 19. November
2011
|
|
Presse-Archiv |