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Persönliche Erklärung des Bürgermeisters

31.10.2019

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

am 31.10.2020 endet die aktuelle Kommunalwahlperiode (am 13.09.2020 findet die nächste Kommunalwahl statt). Damit stellt sich für mich die Frage, ob ich mich ein weiteres Mal zur Wahl stelle. Genau über diese Frage habe ich in den letzten Wochen sehr gründlich nachgedacht.

Ende Oktober 2020 werde ich 64 Jahre alt sein. Ich bin dann 21 Jahre Bürgermeister und habe dann insgesamt 47 Berufsjahre hinter mir. Bereits seit Oktober 2014 bin ich der dienstälteste Bürgermeister im Kreis Paderborn. Am Ende der kommenden Wahlperiode werde ich fast 70 Jahre alt sein. Das macht deutlich, dass ich mich bei meinen Überlegungen nicht nur gefragt habe, ob ich ein weiteres Mal zur Wahl antreten möchte, sondern dass es im Kern darum ging, ob ich meine Bürgermeisterzeit 2020 oder 2025 beenden möchte, wobei mir auch nach vier gewonnenen Wahlen sehr bewusst ist, dass am Ende die Wähler*innen entscheiden.

Bei aller Reflexion auf mein Alter und meine Berufsjahre waren mir bei meiner Entscheidungsfindung zwei Aspekte besonders wichtig: Ist es ein guter Zeitpunkt mit Blick auf die laufenden Projekte und wird es für die Gemeinde mit Blick auf die Kandidaten*innen dynamisch weitergehen?

Eine Kandidatur steht inzwischen fest, weitere werden sicherlich folgen. Die erste Kandidatur erscheint mir respektabel und wird Maßstab und Herausforderung bei den Überlegungen der anderen Parteien sein. Ich glaube daher, dass die Bürger*innen unserer Gemeinde im kommenden Jahr eine gute Wahl haben werden.

Zu den laufenden Projekten habe ich das Gefühl, dass die Gemeindeentwicklung zwar sehr lebendig, das Jahr 2020 aber dennoch günstig für eine Amtsübergabe ist. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren sehr viel geschafft. Ob Dorferneuerungen, Sportstätten, Schulwesen, Kindergärten, HoT-Schwaney, Gewässer-/Hochwasserschutzmaßnahmen, Radwege, Viaduktbeleuchtung, Wanderwelt, Viaduktfest, Lebensmittelmärkte, bürgernahe Verwaltung, Mobilstation u. v. m. und zurzeit finden weitere Prozesse statt, wie der Bau des Waldkindergartens, des neuen Gewerbegebietes, das Bemühen um das seniorengerechte Wohnprojekt im Zentrum von Altenbeken, Gespräche zur Ansiedlung eines Drogeriemarktes u. a. Es wird keinen Stillstand zum Herbst 2020 geben. Dennoch wird das Jahr 2020 für eine Amtsübergabe geeigneter sein, als viele andere.

Also ist das jetzt für mich der richtige Zeitpunkt, Abschied zu nehmen und einem Nachfolger / einer Nachfolgerin viel Erfolg zu wünschen.

Die Herausforderungen der Zukunft werden gewaltig sein, gerade für kleine und nicht so finanzstarke Kommunen wie Altenbeken. Dennoch hat diese sympathische kleine Gemeinde allen Grund zuversichtlich nach vorne zu schauen! Altenbeken kann voller Stolz auf viele zupackende Menschen blicken, die auch in den kommenden Jahren kreativ und leistungsstark zur guten Entwicklung unserer Gemeinde beitragen werden, sei es mit den eigenen Unternehmen, sei es im Ehrenamt oder sei es als Mitarbeiter*in im Team der Gemeinde u. a. Hinzu kommt, dass Altenbeken inzwischen ein gutes Image, eine verkehrsgünstige Lage (ganz besonders mit der Bahn ), die vorteilhafte Nähe zur Stadt Paderborn und einen beeindruckend schönen Naturraum hat, alles Bausteine auf denen man die weitere Entwicklung der drei Orte aufbauen kann.

So gesehen verabschiede ich mich 2020 mit einem guten Gefühl. Da will ich auch nicht die Vorfälle im Bereich der Gemeindekasse ausblenden, die mich wie kein anderer Sachverhalt der vergangenen 20 Jahre betroffen gemacht haben. Die Ursachen gründlich zu klären, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und den Sachverhalt gründlich aufzuarbeiten, sehe ich auch als persönliche Verpflichtung an. Anfang 2020 wird das Finanzwesen der Gemeinde technisch und organisatorisch vorbildlich aufgestellt sein. Wichtige Schritte sind längst umgesetzt. Die Aufarbeitung der liegengebliebenen Amtshilfeersuchen und Vollstreckungen läuft mit Hochdruck. Inzwischen ist ein qualitativ hochwertiges Forderungsmanagement uneingeschränkt sichergestellt und im Laufe des kommenden Jahres werden wir den Rückstand aufgearbeitet haben. Auch der Umgang mit dem verbleibenden Schaden wird sachgerecht sein und ich beabsichtige noch in diesem Jahr eine umfassende öffentliche Darstellung des Geschehenen und seiner Folgen.

Als Bürgermeister lebt und arbeitet man besonders intensiv. Leben und arbeiten werden Eins und Sternstunden und Tiefschläge erreichen einen in einer außergewöhnlichen Dichte. Wenn ich all das vorher gewusst hätte, hätte ich möglicherweise nicht den Mut zu meiner ersten Kandidatur aufgebracht und dennoch habe ich die Entscheidung nie bereut.
Als ich 1999 gewählt wurde, war ich der erste direkt gewählte sozialdemokratische Bürgermeister im Hochstift, ein vor der Wahl eigentlich unvorstellbares Ergebnis und politische Konkurrenten glaubten oder hofften zunächst, es könne ein einmaliger „Ausrutscher“ gewesen sein. Und nun werde ich 2020, nach 21 Jahren im Amt, meine Tätigkeit als Sprecher der Bürgermeister im Kreis Paderborn beenden. Ich denke, ich habe gute Gründe, meinem Schicksal dankbar zu sein.

Dankbar bin ich vor allem den vielen Menschen, die in all den Jahren an mich geglaubt und mich wohl tausendfach und meistens von mir unbemerkt gegenüber Andersdenkenden verteidigt haben; dankbar auch den Mitarbeiter*innen der Gemeinde, die eine große Stütze, die wichtigsten Ideengeber und oft auch noch die Macher waren und last but not least meiner Familie.

Ich schaue dankbar auf 21 erfüllte Jahre zurück und werde 2020 nicht erneut kandidieren.

Hans Jürgen Wessels

Gemeinde Altenbeken
Bahnhofstraße 5a
33184 Altenbeken

Telefon 05255 1200-0
Telefax 05255 1200-33
E-Mail nfltnbknd

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